05.11.2022 bis 29.01.2023

Die Berliner Künstlerin Aneta Kajzer (geb. 1989) erhält für ihre Auseinandersetzung mit dem Thema „Porträt“ den Kallmann-Preis 2022. Erstmals wird damit eine malerische Position mit dem Preis ausgezeichnet. Kajzers farbintensive Gemälde bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion. Sie sind zugleich freie, gestische Malerei von betörender Sinnlichkeit und lassen doch immer auch Gegenständliches wie Menschen oder Tiere erkennen. Ihre Arbeiten werden vom 5. November 2022 bis 29. Januar 2023 im Rahmen einer Einzelausstellung im Kallmann-Museum präsentiert.

Auf Kajzers Bildern sehen wir Gesichter und Körper oder auch nur einzelne Elemente davon wie Augen, eine Nase, einen Mund, Haare oder eine Hand. Doch lässt sich das Gesehene kaum greifen, die Gesichter bleiben konturlos, lösen sich wieder auf und verschwimmen in der reinen, bewegten Malerei der Leinwände. Bisweilen lässt sich nicht einmal entscheiden, ob es sich um Mensch oder Tier handelt. Diese Offenheit entspricht dem malerischen Prozess, in dem Aneta Kajzer ihre Bilder entwickelt. Ausgehend von Entscheidungen über Farben und das Format der Leinwand gelangt sie während des Malens an Punkte, an denen sich erste Anzeichen von Gegenständlichkeit zeigen, die sie aufgreift und weiterverfolgt. Dabei können einzelne Gesichter entstehen, die die gesamte Bildfläche füllen, oder auch Konstellationen von Köpfen und Figuren. Mal erscheinen die Figuren traurig, liebevoll oder sympathisch, dann wieder grotesk oder komisch, mal niedlich und harmlos, dann wieder unheimlich, oder sie erinnern uns gar an bekannte Gesichter. Mögen auch die Titel, die Kajzer ihren Bildern gibt, unseren Blick lenken, so bedeuten sie doch keine Festlegung auf eine bestimmte Bildaussage.

Aneta Kajzers Bilder stellen keine konkreten Personen dar. Sie sind vielmehr als eine Auseinandersetzung mit dem Malen selbst zu verstehen und erscheinen als Projektionsflächen für unsere eigenen Assoziationen und Gefühle. Im Spannungsfeld von Figuration und Ungegenständlichkeit schafft Kajzer intensive Bilder, in denen sich unser Blick in den sinnlichen Farben verlieren kann und die doch zugleich grundlegende Eigenschaften des Menschseins ausdrücken.

Aneta Kajzer

Aneta Kajzer wurde 1989 in Kattowitz geboren. Sie studierte an der Kunsthochschule Mainz. 2017 erhielt sie das Winsor & Newton Malerei Stipendium, das ihr einen sechsmonatigen Arbeitsaufenthalt am Künstlerhaus Bethanien ermöglichte. 2018 nahm sie am Goldrausch Künstlerinnenprojekt teil, einem Programm zur Professionalisierung für Bildende Künstlerinnen. 2019 erhielt sie das Stiftung Kunstfonds Arbeitsstipendium und verbrachte drei Monate in Südkorea am MMCA Goyang. Ihre Arbeiten waren in zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland zu sehen, darunter 2019/20 in der großen Gruppenausstellung „Jetzt! Junge Malerei in Deutschland“ im Kunstmuseum Bonn, im Museum Wiesbaden, in der Kunstsammlung Chemnitz und in den Deichtorhallen Hamburg. Aneta Kajzer lebt und arbeitet in Berlin.

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